Mittwoch, 12. Dezember 2012

Das innere Chaos

Das innere Chaos ist immer wichtiger und mächtiger als die äußere Ordnung, es wird intensiver erfahren und erlebt als alles andere, was sich als Resultat dessen an der Oberfläche manisfestiert. Wer zu sehr in der Sprache lebt, also der Ordnung der Begriffe verfallen ist, der vergißt, dass Sprache immer nur Mittel und nie Zweck ist. Denn wie könnten denn tausend Begriffe auch nur einer einzigen Empfindung gerecht werden. Schwarz/Weiß-Denken ist immer das Resultat der Verwechslung von Sprache mit Gedanken. Da Sprache immer vereinfacht, tendiert sie zu Verklärungen. Das Resultat ist dann hell gegen dunkel, groß gegen klein oder eben auch Optimismus gegen Pessimismus, Glauben gegen Nihilismus etc. Niemand kann ganz frei von solchem Denken sein, da es in der Natur des Menschen liegt, und auch mir ist schon oft der Fehler unterlaufen, den Großteil der Menschheit über einen Kamm zu ziehen, in eine Schublade zu pressen, wohlwissend, dass dies keinen Sinn macht.
 
Jedoch wird meißtens der Weg des geringsten Widerstandes gegangen und es verlockt eben von der "Masse" zu sprechen, was sicherlich in manchen Fällen auch zutreffend ist, als Pauschalurteil aber nie ganz die Wahrheit trifft, weil es weder die Gläubigen, noch die Ungläubigen; weder die Naiven noch die alles Durchschauenden gibt. Im Kern ist die Menschheit ein Bündel an inneren Chaosen (vermutlich gibt es diese Mehrzahl eigentlich garnicht - jedenfalls nicht in der Sprache), das sich dehnt und zusammenzieht, sich überschneidet und verdrängt. Wäre die Sprache nie erfunden worden, so hätte sich der Mensch allein aufs innere Wachstum beschränken müssen und es hätte nie so etwas wie Geschichte gegeben, was zweifellos ein Segen wäre. Da nun aber die Gesetze des Lebens eine solche Menschenspezies (denn es wäre eine andere Spezies als der homo sapiens) nicht zulassen, hat der Mensch sich aus seinem inneren Chaos herausbegeben und nun steht er da, in seiner Welt aus Definitionen und Begriffen und weiß nicht mehr ein noch aus. Er ist einem Wirkungswahn und Wirklichkeitswahn verfallen, der alles ursprünglich chaotische in eine neuzeitliche Ordnung verpacken muß, wobei diese Neuzeit alle Zeiten seit Beginn der Geschichte erfasst und niemals enden wird - daher auch das ewige Morgenrot der Tätigkeitsmenschen!

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