Auf dem Grunde sieht der immanente Philosoph im ganzen Weltall nur die tiefste Sehnsucht nach absoluter Vernichtung. Es handelt sich nicht darum, ein Geschlecht von Engeln zu erziehen, das dann immerfort, immerfort existierte, sondern um Erlösung vom Dasein.
- Philipp Mainländer
Wieso konnte das Universum nicht in der ewigen Stille des Nichts verharren? Woher kam der Impuls, der Perfektion der Leere etwas hinzuzufügen? Was veranlasste den ewigen Frieden der Nichtexistenz den Krieg der Existenz zu beginnen?
Die Welt ist die blutende Wunde des Nichts und alles was ist, strebt nicht etwa nach Vollendung, nach Perfektion oder nach Glück - wie könnte es auch, wo doch die Perfektion der Ausgangspunkt war? Alles strebt nach dem Ende, nach dem Tod, nach Erlösung. Die Bewegung der Welt ist die Bewegung aus dem Sein in das Nichtsein. Innerhalb des Seins gibt es nichts zu erreichen, nichts zu verbessern, es gibt nur verschiedene Formen des Leidens, angenehme und, weit mehr, unangenehme. Wir können die Wunde verbinden, aber unsere Verbände sind mangelhaft und überall dringt Blut durch die Ritzen.
Ich habe an der reich gedeckten Tafel der Weisen gesessen und die Wahrheit gesehen - doch irgend etwas zieht mich immer wieder hinunter in das schwüle Gedränge des Karnevalssaals namens Leben. Dann halten mich die Emotionen, die Erfahrungen, das Unvorhersehbare eine Weile dort im Chaos - nur um mich dann schon nach kurzer Zeit wieder nach der Stille und Freiheit der Weisheit sehnen zu lassen.
An der Tafel der Weisen sitzen meine Seelenverwandten, diejenigen, die das Ziel allen Lebens - den Tod - direkt wollen. Im Karnevalssaal tanzen meine Herzensverwandten, diejenigen die immer noch am Tropf des Lebens hängen und das Mittel (Leben) über den Zweck (Tod) stellen.
Ich lebe in zwei Welten und kann mich für keine entscheiden. Ich bin dazu auserkoren ewig hin und her zu schwanken zwischen der Verneinung und der Bejahung, in der Bejahung immer nur mit halber Seele und vollem Herzen, in der Verneinung immer nur mit halbem Herzen und voller Seele stagnierend.
So schleppe ich mich weiter durchs Treppenhaus der Nichtigkeit und warte auf den Tag, an dem der Tod die Wahrheit der Weisen bekunden und all meine Zweifel für immer aufheben wird. Ich bin schon jetzt gespannt, ob ich im Karnevalssaal oder an der Tafel der Weisen meinen letzten Atemzug nehmen werde...
Sonntag, 28. Juli 2013
Samstag, 6. April 2013
Filmempfehlung: Die grosse Stille
"Außergewöhnliches Filmprojekt von Philip Gröning, der die Einsamkeit und Stille des Klosters La Grande Chartreuse dokumentiert."
Die grosse Stille
Die grosse Stille
Buchempfehlung: Herman Melville - Bartleby der Schreiber
"Herman Melvilles subversive Geschichte einer Verweigerung ist eines
seiner Meisterwerke und einzigartig in ihrer absurden Komik. Jürgen Krug
hat seine Neuübersetzung mit einem umfangreichen Kommentar versehen.
Die Geschichte spielt in der New Yorker Geschäftswelt um die Mitte
des 19. Jahrhunderts. Ein seltsamer, rätselhafter Mann wird in einer
Kanzlei als Kopist eingestellt: Bartleby. Während er zunächst durch
ungewöhnlich große Zurückhaltung und Schweigsamkeit auffällt, geht er
mehr und mehr dazu über, die Ausführung bestimmter Tätigkeiten mit dem
Satz »Ich möchte lieber nicht« abzulehnen. Schließlich verweigert er
sich jeder Art von Tätigkeit. Sein Arbeitgeber erliegt immer mehr dem
Einfluß Bartlebys …"
Bartleby der Schreiber
Bartleby der Schreiber
Montag, 25. Februar 2013
Emil und der Selbstmord - Von Ciorans Kampf der Völker zum Kampf gegen sich selbst
Ein Essay von Katharina Kaps:
Antinatalität? Was´n das? Eine Entgegnung zum arendtschen Gebürtlichkeits-Konzept? In gewisser Weise mag dies stimmen, ohne dass Cioran je wirklich Kenntnis von Arendt (oder vice versa) genommen hätte. Arendts Ansatz einer durch das menschliche (Immer-wieder) Anfangen-Können bedingten vita activa entgegnet Cioran mit einer vita passiva (die keine vita contemplativa ist); einem von Skepsis befallenen Dasein, das sich in gleichgültiger Larmoyanz (sic!) satiniert: dem cioranschen Zustand des Nicht-Selbstmordes[1].
Auftakt dieser Lehre bildet die Setzung eines ursprünglich rein biologisch-vitalen Daseins. Im instinktiven, sein teleologisches Moment wesenhaft in sich tragenden (Über)Lebenswillen wird ein Faktor des fundamentalen Leids gesehen, dessen immanente Ursache das Leben in der Zeitlichkeit ist. Der Wille ist eine Funktion eines dem Dasein „aufgepfropften“ Geistes. Cioran verflucht (sic!) die Entwicklung des Geistes aus der Materie, in anderen Publikationen die Genese der Materie überhaupt. Dem Vergehen-zum-Tode wird die Glorifizierung des Nu opponiert: Im hypostatisierten Augenblick sieht Cioran die Möglichkeit der Ewigkeit, eines schopenhauerischen nunc stans.
Als Kafka einem Freund zu
verstehen gibt, er schreibe, weil er andern-
falls wahnsinnig würde, weiß
er, dass Schreiben schon Wahnsinn,
sein Wahnsinn ist, eine Art
Wachen außer Bewußtsein,
Schlaflosigkeit. Wahnsinn
gegen Wahnsinn.
(Blanchot,
Die Schrift des Desasters)
say
anti-anti, anti-anti
say anti-anti, anti-anti
say anti-anti, anti-anti
Bonaparte, Anti-anti
Antinatalität? Was´n das? Eine Entgegnung zum arendtschen Gebürtlichkeits-Konzept? In gewisser Weise mag dies stimmen, ohne dass Cioran je wirklich Kenntnis von Arendt (oder vice versa) genommen hätte. Arendts Ansatz einer durch das menschliche (Immer-wieder) Anfangen-Können bedingten vita activa entgegnet Cioran mit einer vita passiva (die keine vita contemplativa ist); einem von Skepsis befallenen Dasein, das sich in gleichgültiger Larmoyanz (sic!) satiniert: dem cioranschen Zustand des Nicht-Selbstmordes[1].
Die essentiellen Fundamente des (französisierten, späteren) cioranschen
Schreibens: Die – sublimierte – Negation des als kontingent und leidvoll
erlebten Daseins, die radikale Subjektivität basierend auf einer vitalistisch
und durch einen perennierend zweifelnden Geist geschwächt gedachten Existenz,
die (nun) intrasubjektiv lokalisierte Kampfarena (die nicht mehr eine Arena
verschiedener Völker-im-Kampf ist), der konsequenter Nihilismus, eskortiert von
einem „Suizid als Methode“, expliziert in eruptionsartigem Schreiben – so
lautet das Resümee der wichtigsten Inhalte des cioranschen Œuvre.
Auftakt dieser Lehre bildet die Setzung eines ursprünglich rein biologisch-vitalen Daseins. Im instinktiven, sein teleologisches Moment wesenhaft in sich tragenden (Über)Lebenswillen wird ein Faktor des fundamentalen Leids gesehen, dessen immanente Ursache das Leben in der Zeitlichkeit ist. Der Wille ist eine Funktion eines dem Dasein „aufgepfropften“ Geistes. Cioran verflucht (sic!) die Entwicklung des Geistes aus der Materie, in anderen Publikationen die Genese der Materie überhaupt. Dem Vergehen-zum-Tode wird die Glorifizierung des Nu opponiert: Im hypostatisierten Augenblick sieht Cioran die Möglichkeit der Ewigkeit, eines schopenhauerischen nunc stans.
Es gilt nicht das Dasein als Geworfenes gemäß seiner Möglichkeiten zu
realisieren, es bleibt lediglich ein Wüten über die Gewesenheit des
paradiesischen „[...] l´anonymat initial.“[2]
Auf diesen vorgeburtlichen Noch-nicht-Seins-Zustand rekurriert eine
resignativ-religiöse Sinnsuche des sich nach einem verklärten
Pränatalitätsparadies sehnenden Individuums. Das dem Faktum der Geburt adäquat
gesetzte principium individuationis, dessen Folge das Leben innerhalb
der Zeitlichkeit, also ein Dasein-zum-Tode ist, figuriert als intramundän
erfahrbare Kausalität allen Leids: „L´individuation nous révèle la naissance
comme un isolement et la mort comme un retour“.[3]
Diese Rückkehr wird mystisch-verklärt zur Rückkehr in einen Zustand, in dem wir
noch nicht als Singularitäten existierten, aber eine pränatal-harmonische
Totalität gegeben war – ein Mystizismus, der in ähnlicher Lesart bereits vom
mittelalterlichen Eckhart, sowie Mainländer oder auch Weil im 20. Jahrhundert
propagiert wurde. Leben repräsentiert ergo das Paradox einer Gewissheit,
sterben zu müssen, und einer konsequent gelebten Defensivhaltung gegenüber
dieser Gewissheit.
Nichts rechtfertigt die Tatsache dass man lebt; nichts das einzige Pech,
das Licht der Welt zu erblicken.[4]
Es bleibt nur, sich an das Absurde zu halten, was einer Verrücktheit
gleichkommt. Dies lässt Cioran schließen,
dass „[t]oute existence qui ne recèle pas une grande folie reste depourvu de
valeur“.[5] Die Absurdität des originären Prinzips
wird in das Subjekt hinein geholt und dort als Eigenes angenommen und
kultiviert. Nicht die Vernunft, sondern der dem menschlichen Dasein immanente
Wahnsinn wird hier als spezifisch menschliches Charakteristikum gesetzt. Cioran
positioniert „Wahnsinn“ als in Opposition zur Vernunft zu stehend und
infiltriert den Begriff mittels dieser Kontrastierung mit positiver
Konnotation. Er kann, obwohl zahlreiche Versuche davon zeugen, den
Vernunftbegriff nicht absolut negieren, wohl aber dessen Wirkungsbereich als
unzureichend erklären: „Que la folie soit notre seule sagesse“.[6]
Das bedeutet, man muss das Wissen, das man habe, das existenziell-bedrückende
Wissen, sterben zu müssen, transzendieren, und sich der Irrationalität hingeben
– um in dieser zu leben.
Aus der Irrationalität des Daseins, eine aus dem Bereich der Affektionen deduzierte
Erkenntnis, folgt nach Cioran die These, da es
keinen Grund zu leben gibt, es ebenso wenig einen Grund zu sterben geben kann.
Dies wiederum gilt für alle in einem in diesem vereinten und doch
individualisierten Sein-zum-Tode. Dieses Leben jedoch, dem wir anheimfallen,
bedeutet nicht nur essentielles Leid, eine Ideologie, die zuvor schon
Schopenhauer und Mainländer propagierten; bei Cioran entwickelt sich dieses
Leiden zur existentiellen Geißel der Agonie.[7]
Oder auch: Sein ist der Zustand des Nicht-Selbstmordes.[8]
Gleichzeitig oder dennoch erfährt das Leben als einzig unmittelbar
erfahrbare Realität selbst eine Apotheose: Der Rest ist Philosophie,
Christentum oder andere Form des Verfalls.[9]
Es gibt lediglich eine allen Individuen zu Teil werdende Universalität: Die des
Lebens und damit des Todes.[10]
Während die Ideen vom Wesen des Menschen als lediglich externe mit dem
geschichtlichen Wechsel variieren, bleibt der Tod das einzig wahre Kriterium.
Dem widersteht eine Glorifizierung des Nu: Im Augenblick als Ewigkeit in der
Zeit, wird der Tod genichtet.
Wozu also eine Cioran-Lektüre? Letztendlich bleibt das gesamte Werk
persönlich-subjektivem Duktus verhaftet, dass es keiner inhaltlichen Kritik
exponibel gemacht werden kann. Die Quintessenz des cioranschen Denkens bleibt
demnach als ein Ratgeber abseits der inflationären Ratgeber-Maschinerie unserer
Zeit lesbar, keine hedonistischen, ethisch-moralischen oder sonstige lebens-
und verhaltensoptimierenden Leitlinien beherbergend, sondern gespickt mit
Gedanken für jene, die sich in ähnlichen Lebens- und Leidenssituationen
befanden und in diesem Werk ironischerweise die Affirmation des Lebens finden
werden und sich in Aufbegehren oder Indifferenz gegenüber diesem leidvollen
Dasein üben können.
[1]
Cf. Cioran, Emil; SCD, 390.
Cf. Cioran, Emil; SCD, 390.
[2]
„[...] das anfänglich Anonyme“, LL, 204.
„[...] das anfänglich Anonyme“, LL, 204.
[3]
„Die Individuation zeigt uns die Geburt als Isolierung, den Tod als Rückkehr auf“., Ebd., 203.
„Die Individuation zeigt uns die Geburt als Isolierung, den Tod als Rückkehr auf“., Ebd., 203.
[4]
IEN, 1276.
IEN, 1276.
[5]
„Jede Existenz, die nicht in sich einen großen Wahnsinn birgt, ist wertlos.; SCD, 24.
„Jede Existenz, die nicht in sich einen großen Wahnsinn birgt, ist wertlos.; SCD, 24.
[6]
„Wahnsinn sei unsere einzige Weisheit“., LDL, 140.
„Wahnsinn sei unsere einzige Weisheit“., LDL, 140.
[7]
SCD, 45. Zur Terminologie der Tortur, die das Dasein darstellt, lassen sich in jedem Werk Ciorans unzählige Exempel finden. Zur Entfaltung der Agonie in der Zeitlichkeit cf. das Kapitel bezüglich Zeitlichkeit dieser Arbeit.
SCD, 45. Zur Terminologie der Tortur, die das Dasein darstellt, lassen sich in jedem Werk Ciorans unzählige Exempel finden. Zur Entfaltung der Agonie in der Zeitlichkeit cf. das Kapitel bezüglich Zeitlichkeit dieser Arbeit.
[8]
Cf. CDP, 390.
Cf. CDP, 390.
[9]
LL, 216.
LL, 216.
[10]
Cf. LZ, 17.
Cf. LZ, 17.
Siglen
CP Le crépuscule des
pensées, In: Oeuvres,
Editions Gallimard, Paris 1995
dt. Titel: Gedankendämmerung,
Originaltitel: Pe culmile disperarii
IEN De l´inconvenient
d´etre né, In: Oeuvres, Editions Gallimard, Paris 1979
LZ Lehre vom Zerfall. Essays; Übertragen von Paul Celan,
Klett-Cotta, Stuttgart 1978
LL Le livre des
leurres, In: Oeuvres, Editions Gallimard, Paris 1995, dt. Das
Buch
der Täuschungen
LS Des
larmes et des saints, In: Oeuvres, Editions Gallimard, Paris 1995,
dt. Das
Buch
der Täuschungen
LSL Leidenschaftlicher Leitfaden, Übersetzung
von Ferdinand Leopold, Suhrkamp,
Suhrkamp,
Frankfurt am Main 1996
SCD Sur les cimes du
desespoir; In: Oeuvres; Editions Gallimard, Paris 1995;
dt. Titel:Auf den Gipfeln der
Verzweiflung
VS Die
verfehlte Schöpfung; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979, Über-
setzung
der Originalausgabe Le mauvais démiurge; Editions Gallimard, Paris 1969
Mittwoch, 20. Februar 2013
Radiosendung über Philipp Mainländer
Zur Sendung...
"Eigentlich hieß der 1841 in Offenbach am Main geborene dichtende und denkende Kaufmann Philipp Batz. Etablierte Literaturwissenschaftler und Philosophen haben den unglücklichen Selbstmörder mit dem Etikett „Schopenhauerschüler" versehen und dann schnell vergessen. Sein Denken war vielen zu radikal. Doch außerhalb und am Rande der akademischen Zunft erlebt er derzeit eine nicht unbeträchtliche Wiederentdeckung. Seine Werke werden neu herausgegeben, eine Biografie ist erschienen, wissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften wurden publiziert. Dort kann man dann lesen, Mainländer löse Denkblockaden. Und sein Hauptwerk, die Philosophie der Erlösung, sei, wie bereits Theodor Lessing geschrieben hat, „vielleicht das radikalste System, das die philosophische Literatur kennt“."
"Eigentlich hieß der 1841 in Offenbach am Main geborene dichtende und denkende Kaufmann Philipp Batz. Etablierte Literaturwissenschaftler und Philosophen haben den unglücklichen Selbstmörder mit dem Etikett „Schopenhauerschüler" versehen und dann schnell vergessen. Sein Denken war vielen zu radikal. Doch außerhalb und am Rande der akademischen Zunft erlebt er derzeit eine nicht unbeträchtliche Wiederentdeckung. Seine Werke werden neu herausgegeben, eine Biografie ist erschienen, wissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften wurden publiziert. Dort kann man dann lesen, Mainländer löse Denkblockaden. Und sein Hauptwerk, die Philosophie der Erlösung, sei, wie bereits Theodor Lessing geschrieben hat, „vielleicht das radikalste System, das die philosophische Literatur kennt“."
Was ist anthropofugale Philosophie?
Hier gibt es eine sehr lesenswerte Rezension zu Ulrich Horstmanns Buch "Das Untier":
I. Das Untier schlechthin: der Mensch
In seinem 1983 zuerst, 1985 dann als Suhrkamp-Taschenbuch erschienenem Essay
entwickelt Horstmann das Grundmuster dessen, was er "anthropofugales Denken"
nennt. Der Einsatz des Buches gibt unmittelbar den ironisch-sarkastischen Ton dieses
Philosophierens an:
Die Apokalypse steht ins Haus. Wir Untiere wissen es längst, und wir wissen es alle. Hinter dem Parteiengezänk, den Auf- und Abrüstungsdebatten, den Militärparaden und Anti-Kriegsmärschen, hinter der Fassade des Friedenswillens und der endlosen Waffenstillstände gibt es eine heimliche Übereinkunft, ein unausgesprochenes großes Einverständnis: dass wir ein Ende machen müssen mit uns und unseresgleichen, sobald und so gründlich wie möglich – ohne Pardon, ohne Skrupel und ohne Überlebende. (Suhrkamp-Ausgabe, S. 7)
Diese These ist zunächst mehr als überraschend. Sie beinhaltet, dass alle
Anstrengungen der Menschheit, auch und erst recht diejenigen, die auf eine grundsätzliche
Überwindung des Krieges zielen, letztlich, "in der Heimlichkeit [unserer]
Vernunft" (ebda.), das Gegenteil meinen und auf eine Auslöschung, nicht nur des
menschlichen, sondern des Lebens überhaupt, gerichtet sind:
Der wahre Garten Eden – das ist die Öde. Das Ziel der Geschichte – das ist das verwitternde Ruinenfeld. Der Sinn – das ist der durch die Augenhöhlen unter das Schädeldach geblasene, rieselnde Sand. (S. 8).
Damit sind von vornherein alle Ideen, sei es der Philosophie oder der Religion,
von Fortschritt, einem Telos der Geschichte oder gar der Erlösung, beiseite gewischt. Sie
können nichts weiter sein, als mühsame Versuche, sich das Sinnleere unserer Existenz zu
verbergen, nein, mehr noch, sie arbeiten dem Nichts, das sie nicht gelten lassen wollen,
insgeheim, wie wir gesehen haben, dennoch zu... weiterlesen
Freitag, 15. Februar 2013
Filmempfehlung: Lars von Trier - Melancholia
"Ein wunderschöner Film über das Ende der Welt – wer außer Lars von Trier
würde sich auf so ein waghalsiges Unterfangen einlassen? Der seit
Jahren für seinen Mut und seine Risikobereitschaft gefeierte Regisseur
legt mit Melancholia erneut ein Meisterwerk vor, mit dem er ganz neue
Wege beschreitet und sein Publikum abermals überrascht. Einmal mehr
blickt der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Däne, dabei mit seinem
bildgewaltigen und emotional schonungslosen Drama tief in die seelischen
Abgründe und Ängste seiner ungleichen Protagonistinnen."
Melancholia
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